
12 Punkte für das Töten eine:r Soldat:in, 25 Punkte für das Töten eine:r Drohnenpilot:in und 120 Punkte für die Gefangennahme eine:r Soldat:in mit einer Drohne. [1] Diese Systeme kommen sicherlich vielen aus Computerspielen wie „Counterstrike 2“, „Call of Duty“ oder „Rainbow Six Siege“ bekannt vor. In manchen Spielen, wie zum Beispiel bei der „Call of Duty“-Reihe, können Spieler:innen dann auch während der Runde neue, vorher definierte Waffensysteme kaufen und direkt nutzen. Was jetzt aber klingt wie ein Punktesystem aus einem Computerspiel, ist die Realität in der Ukraine: Dort ist das „virale“ System, wie es Mykhailo Fedorow, Kriegsminister der Ukraine, nennt, seit 2025 in Benutzung. Für jeden gefilmten und an das Kriegsministerium geschickten Abschuss von russischen Soldat:innen und Waffen gibt es für die Drohneneinheiten der Ukraine Punkte, mit denen sie sich im extra dafür angelegten, oft als „Amazon-for-war“ bezeichneten Brave-1-Market Drohnen und Zubehör kaufen können, um damit wiederum Punkte zu verdienen. Dieses System soll nun auch auf andere Einheiten ausgeweitet werden. Dazu sagte Federow: „Je mehr Infanteristen man tötet, desto mehr Drohnen bekommt man, um noch mehr Infanteristen zu töten“. [2] Eine „Vampir“-Drohne ist mit 43 Punkten etwas weniger wert als die Leben von 2 russischen Drohnenpilot:innen oder die Leben von 4 russischen Infanterist:innen.
Der Krieg hat sich also sichtlich verändert. Ging es bis vor ein paar Jahrzehnten scheinbar noch um Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld, indem man(n) mit seinen eigenen Händen Menschen tötete und dabei zentral in großen Verbänden agierte, geht es nun um Punkte, möglichst effiziente Datenverarbeitung und schnelles autonomes Reagieren. Die Reaktionszeit soll auf ein Minimum verkürzt werden und dafür agiert der Mensch nur noch als das ausführende Organ der KI-gestützten Waffensysteme. Gemordet und gestorben wird nicht mehr auf Sicht zu den „feindlichen“ Soldat:innen, sondern aus Bunkern heraus aus Entfernungen von teilweise hunderten Kilometern durch eine Kameralinse. [3] Mensch tötet keine Menschen mehr, sondern Nullen und Einsen, die als Bild vor die Augen der:des Ausführenden projiziert werden. Niemensch muss sich in die Augen schauen, der Stream wird durch die Explosion getrennt und mensch muss nie den zerfetzten Körper des Menschen, den mensch gerade getötet hat, sehen. Damit werden der:die Tötende und der:die Getötete physisch und in der Wahrnehmung des Tötenden getrennt. Der ermordete Mensch ist kein Mensch mehr, sondern nur noch eine Nummer, ein Video oder ein weiterer Knopfdruck.
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