17.8.: Antifa-Stadtrundgang „HD im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand““

Am 17. August 2021 können alle, die mehr über die Geschichte Heidelbergs während des NS-Faschismus erfahren wollen, zum nächsten Antifa-Stadtrundgang kommen: Treffpunkt ist um 17.00 Uhr an der Ecke Theaterstraße/Hauptstraße.
Der Antifaschistische Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand“, der seit vielen Jahren von der VVN-BdA in Kooperation mit der AIHD/iL organisiert wird, führt durch die Heidelberger Altstadt. Er bietet einen Überblick über den Nationalsozialismus in Heidelberg von seinem frühen Erstarken in der Weimarer Republik bis hin zur Befreiung und verweist auch auf die Nachwirkungen in der frühen BRD. An verschiedenen historischen Orten wird an TäterInnen und Opfer erinnert, aber auch an Menschen, die es gewagt haben, Widerstand zu leisten.
Es gelten die pandemiebedingten Regeln.

29.6.: Antifa-Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus“

Endlich ist es wieder soweit: am Dienstag, 29. Juni 2021 findet nach langer Pandemiepause wieder ein Antifaschistischer Stadtrundgang zum Thema „Heidelberg im Nationalsozialismus“ statt. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Theaterplatz.

Der Antifaschistische Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand“, der seit vielen Jahren von der VVN-BdA in Kooperation mit der AIHD/iL organisiert wird, führt durch die Heidelberger Altstadt. Er bietet einen Überblick über den Nationalsozialismus in Heidelberg von seinem frühen Erstarken in der Weimarer Republik bis hin zur Befreiung und verweist auch auf die Nachwirkungen in der frühen BRD. An verschiedenen historischen Orten wird an TäterInnen und Opfer erinnert, aber auch an Menschen, die es gewagt haben, Widerstand zu leisten.

WICHTIG! Da wir auf Grund der zur Zeit gültigen Corona-Bestimmungen die Teilnehmerzahl auf 20 Personen beschränken müssen, ist eine Teilnahme nur mit Voranmeldung möglich. Ebenso gilt die Beachtung der aktuell geltenden Regeln.

Anmeldung unter heidelberg[at]vvn-bda.de

Sollten sich mehr Teilnehmer*nnen melden, findet bald ein weiterer Termin statt.

Heraus zur Demo am 8. Mai: Tag der Befreiung und Kampftag gegen den Faschismus!

Auch wir als AIHD/iL mobilisieren zur Demonstration der VVN-BdA Heidelberg, die am 8. Mai 2021 um 16 Uhr an der Stadtbücherei startet. Weitere Infos zur Demo gibt es hier.
Wir haben dazu einen eigenen Aufruf verfasst:

8. Mai: Tag der Befreiung und Kampftag gegen den Faschismus!

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht jährt sich am 8. Mai 2021 zum 76. Mal der endgültige militärische Sieg über den Nazifaschismus. In den meisten Staaten der Welt ist das seit Jahrzehnten ein Grund zum Feiern. In Frankreich, in den Niederlanden, in Tschechien, in der Slowakei, in Russland und vielen anderen Ländern wird der Sieg über das NS-Terrorregime als gesetzlicher Feiertag begangen.
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19.4.: Vortrag „‚Arbeiterinnen, kämpft mit in der Roten Hilfe!‘ – Frauen in der RHD“

Am 19. April veranstalten wir zusammen mit der Roten Hilfe Heidelberg/Mannheim, dem Feministischen Bündnis und dem Hans-Litten-Archiv den Online-Vortrag „‚Arbeiterinnen, kämpft mit in der Roten Hilfe!‘ – Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands“. Ab 19.30 Uhr referiert Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) zu den Roten Helferinnen in der Weimarer Republik und im antifaschistischen Widerstand ab 1933. Hier der Link zur Veranstaltung.

Die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war in der Weimarer Republik eine in der gesamten ArbeiterInnenbewegung beliebte Solidaritätsorganisation, die zuletzt über eine Million Mitglieder umfasste. Auch nach dem Verbot durch die Nazis im März 1933 setzten die Widerstandsgruppen der RHD ihre vielfältigen Aktivitäten fort, informierten über den NS-Terror und unterstützten die Familien der politischen Gefangenen.

Während ihres gesamten Bestehens spielten die weiblichen Mitglieder eine wichtige Rolle in der Organisation, und durch gezielte Werbekampagnen, die anhaltenden Proteste gegen den § 218 und frauenspezifische Veröffentlichungen versuchte die Rote Hilfe, weitere Unterstützerinnen zu gewinnen.

In ihrem Online-Vortrag gibt Silke Makowski einen allgemeinen Überblick über Frauen in der RHD und ihre Darstellung in der organisationseigenen Öffentlichkeitsarbeit bis 1933 und stellt die besondere Rolle vor, die den Roten Helferinnen im antifaschistischen Widerstand zukam.

1.11.: Gedenken auf dem Bergfriedhof

Alljährlich zum 1. November rufen VVN-BdA Heidelberg und DGB Nordbaden zum Gedenken am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Bergfriedhof auf. Dort wird mit Redebeiträgen an die vom NS-Regime ermordeten Widerstandskämpfer*innen erinnert.

Seit der Einweihung 1950 liegen hier unter anderem zehn Mitglieder der Vorbote-Gruppe um Georg Lechleiter, Antifaschist*innen aus Heidelberg und Mannheim, aber auch Widerstandskämpfer*innen aus anderen Ländern. Insgesamt wurden 27 Hingerichtete und zu Tode gequälte Frauen und Männer, auch aus dem Elsass und der Tschechischen Republik, an dieser Stelle bestattet.

Angesichts der verschärften Pandemie-Situation wurde ein alternatives Veranstaltungskonzept entwickelt. Zeitlich versetzt werden Kleingruppen von maximal zehn Personen zum Mahnmal gehen, um dort bei einer Rede und einem Musikstück gemeinsam an die Ermordeten zu erinnern. Auf diese Art wird auch unter den jetzigen schwierigen Umständen ein kollektives Gedenken vor Ort ermöglicht.

Mehrere an der Planung beteiligte Gruppen haben sich schon auf einen zeitlichen Ablauf geeinigt. Wenn ihr unabhängig davon als Einzelpersonen teilnehmen wollt, bittet die VVN-BdA für ihre Planung um eine Mail an heidelberg[at]vvn-bda.de. In der Antwort bekommt ihr dann die entsprechende Uhrzeit mitgeteilt.

Bitte bringt Mund-Nasen-Schutz mit und achtet auf ausreichenden Abstand.

4.10.: Antifa-Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus“

Am 4. Oktober begeben wir uns wieder einmal mit einem Stadtrundgang auf historische Spurensuche. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Ecke Haupstraße/Theaterstraße.

Der Antifaschistische Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand“, der seit vielen Jahren von der VVN-BdA in Kooperation mit der AIHD/iL organisiert wird, führt durch die Heidelberger Altstadt. Er bietet einen Überblick über den Nationalsozialismus in Heidelberg von seinem frühen Erstarken in der Weimarer Republik bis hin zur Befreiung und verweist auch auf die Nachwirkungen in der frühen BRD. An verschiedenen historischen Orten wird an TäterInnen und Opfer erinnert, aber auch an Menschen, die es gewagt haben, Widerstand zu leisten.

WICHTIG! Da wir auf Grund der zur Zeit gültigen Corona-Bestimmungen die Teilnehmer*innenzahl auf 20 Personen beschränken müssen, ist eine Teilnahme nur mit Voranmeldung möglich. Ebenso gilt die Beachtung der aktuell geltenden Regeln. Anmeldung bitte unter: heidelberg[at]vvn-bda.de

Sollten sich mehr Interessierte melden, werden wir uns schnellstmöglichst um einen weiteren Termin bemühen.

AIB-Interview mit der AIHD: Der „Aufstand der Anständigen“ aus antifaschistischer Sicht

Wir als seit April 1999 existierende AIHD wurden vor einigen Monaten angefragt, für die nun erschienene neue Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) ein längeres, auf vier Print-Seiten veranschlagtes Interview abzuliefern. Darin sollten vor allem Fragen danach beantwortet werden, wie unsere antifaschistische Gruppe den so genannten Aufstand der Anständigen vor 20 Jahren „erlebt“ habe.
Da sich die Gruppe damals aber relativ frisch gegründet hatte, nahmen wir das Interview, für das uns viel Platz eingeräumt worden war, zum Anlass, im Kontextualisieren ein bisschen weiter auszuholen und auch jenen Fragen eine (potenzielle) Ausführlichkeit anheimzustellen, deren Beantwortung eine fundierte Einordnung der Vorgeschichte, des politischen Umfelds, aus dem heraus der staatliche „Aufstand der Anständigen“ initiiert wurde, und unserer Reaktionen konzediert.
Nun musste dieses tatsächlich äußerst lang gewordene Interview aber auf zwei Print-Seiten des AIBs heruntergekürzt werden. Dadurch geht selbstverständlich viel vom vermittelten Eindruck verloren; und es wirkt nicht mehr so rund, an einigen Stellen eher „abgehackt“.
Deshalb haben wir uns gedacht, euch hier das komplette Interview in seiner ursprünglich autorisierten, ungekürzten Form zur Verfügung zu stellen.
Wir danken dem AIB, das es uns ermöglicht hat, in seine 127. Ausgabe (Sommer 2020) mit dem Schwerpunkt „Der Antifasommer – 20 Jahre Aufstand der Anständigen“ zu kommen und wünschen uns auch für die nächsten Dekaden eine intensive Zusammenarbeit: Alerta Alerta Antifascista!
Außerdem wollen wir noch positiv anmerken, dass sich dieses stabile Antifa-Magazin ein besonderes Motiv ausgesucht hat, um unser Interview mit ihm mit einem repräsentativen Bild-Element „aufzulockern“: Es zeigt ein Gruppenfoto der Antifaschistischen Initiative Heidelberg aus dem Jahre 2009, das wir zum Feiern unseres zehnjährigen Bestehens u.a. für Soli-Postkarten und Aufkleber verwendeten. Das Lustige dabei: Auf das Motiv ist auf den unteren Bildrand noch unsere alte Homepage-Adresse gedruckt worden; diese stellt aber einen direkten Zusammenhang zum Autonomen Zentrum Heidelberg her, das ja auch im Interview eine durchaus nicht zu vernachlässigende Rolle spielt. Chapeau!
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Die Antifaschistische Initiative Heidelberg im Spannungsfeld zwischen linksradikaler Militanz und dem staatlichen Schmieden von Lichterketten

Der „Aufstand der Anständigen“ vor 20 Jahren

April 1999: Die Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD) – seit 2015 mit dem Zusatz iL – gründet sich. Vorher hatte es fast sieben Jahre lang die Autonome Antifa Heidelberg gegeben, die zeit ihres Bestehens auf allen Ebenen eng verbunden gewesen war mit dem Autonomen Zentrum, das im Februar 1999 – nach achtjähriger unabhängiger Selbstverwaltung – vor den Augen der radikal linken Aktivist*innen abgerissen wurde. Neben vielem anderen war die Autonome Antifa als offizielle Veranstalterin des ersten Antifaschistischen Straßenfestes „Marktplatz links“ am 30. April 1998 in der Heidelberger Altstadt in markante Erscheinung getreten: Nach jahrzehntelangen, immer intensiver und militanter geführten Auseinandersetzungen um das von faschistischen und nationalkonservativen Burschenschaften in Szene gesetzte, alljährlich zelebrierte „Mai-Ansingen“ auf dem Marktplatz war diesem rechtsreaktionären, männerbündisch-misogynen Treiben in der so genannten Walpurgisnacht 1997 ein nachhaltiges Ende bereitet worden. Der dadurch frei gewordene öffentliche Raum wurde sodann ab 1998 mit autonom-antifaschistischen Inhalten und gegenkulturellen Angeboten ausgefüllt: Das Antifaschistische Straßenfest war installiert. Bereits ein Jahr darauf übernahm die soeben fundamentierte AIHD die organisatorische und praktische Aufgabe der Durchführung dieses Festes, das bis heute jährlich am 30. April ausgerichtet wird und jeweils unterschiedliche inhaltliche und gegenkulturelle Akzentuierungen hat.

Wir haben uns mit zwei Gründungsmitgliedern der AIHD unterhalten, die auch schon in der Autonomen Antifa Heidelberg (1992 – 1999) organisiert gewesen waren. Uns interessierten vor allem die ersten eineinhalb Jahre ihrer Existenz, die in den so genannten Aufstand der Anständigen hineinragten.

AIB: Wo hat sich die AIHD politisch-organisatorisch verortet und was hat sie bis zur Schröderschen Proklamation des „Aufstands der Anständigen“ theoretisch und praktisch auf die Beine gestellt?

 

AIHD: Nach der kräftezehrenden Straßenfestausrichtung 1999 mussten wir im ersten Jahr unseres Bestehens – und genau darum soll es ja zunächst gehen – die Gruppenkonstituierungsphase politisch-organisatorisch ins Verfestigend-Stabile zuspitzen. Auf dieser gestützten Basis hielten wir Ausschau nach Formen der Artikulierbarkeit kollektivistisch entwickelter Theorien und Praxen. Das war anfänglich alles Andere als leicht, schließlich war uns ein großes selbst verwaltetes Zentrum in Innenstadtnähe genommen worden, in dem wir uns zum intensiven internen Gruppenaustausch hätten treffen können. Das musste nun an unterschiedlichen Orten stattfinden.
Da wir uns als Teil einer außerparlamentarischen, sozial bewegten Opposition im neulinken Postoperaismus verorteten, als dessen tragende Säule wir den in der BRD seit Anfang der 1980er Jahre eigenständig konfliktorischen Autonomen Antifaschismus betrachteten (u.a. das „Fanal“ von Fallingbostel, 1983), richteten wir uns aufhebungsperspektivisch folgendermaßen aus:
Als autonom-antifaschistische Gruppe kämpften wir gegen Lohnarbeit, also gegen den in der patriarchalen Warenproduktions- und Wertschöpfungslogik steckenden Verkauf der eigenen Arbeitskräfte.
Wir lehnten etablierte, institutionalisierte Politik-Formen rigoros ab, betrieben also weder eine bestimmte legalistische Partei-Politik noch traditionelle korporatistische Gewerkschaftsarbeit.
Wir erkannten das staatliche Gewaltmonopol und ihren „Träger“ – das Exekutivorgan – nicht an.
Unsere gesellschaftlichen Bedürfnisse eigneten wir uns direkt an, indem wir proletarisch einkauften, kollektiv schwarzfuhren, Häuser, Plätze, Felder besetzten, Mietstreiks mit organisierten, Vergewaltiger entwaffneten.
Wir bauten eine hegemoniefähige Gegenkultur auf, indem wir hierfür Autonome Zentren erkämpften, eigene radikal linke Verlage gründeten, Freie Radios aufbauten, Info-Läden einrichteten (in den selbst verwalteten Freiräumen), alternative Medien an den Start gehen ließen.
Wir griffen das bundesrepublikanische Herrschaftssystem mitsamt seinem exekutiv, judikativ und legislativ modellierten Repressionsapparat und seinen anti-dissidentischen Disziplinierungs-Anstalten an.
Und wir suchten nach einem „Neuen Antiimperialismus“.
AIB: Wie meint ihr das? Was hatte ein „Antiimperialismus“ mit einem oder besser: eurem militanten „Antifaschismus“ zu tun? Und was war „neu“ an ihm?

AIHD: Bereits am 10. Juli 1999 veranstalteten wir in Heidelberg zusammen mit der Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO), in die wir kurz nach unserer Gruppengründung aufgenommen worden waren, eine bundesweite Demonstration gegen den NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien. Die Resonanz darauf war jedoch gering; dieser imperialistische Krieg war ein Monat vor unserer Demo für beendet erklärt worden. Inhaltlich hatten wir uns dabei jedoch an ein Thema herangewagt, das innerhalb des autonom-antifaschistischen Koordinatensystems zu diesem Zeitpunkt eine eher untergeordnete Rolle spielte und deshalb aus unserer Sicht in „erneuernder“, modifizierter Weise kontrapunktisch aufbereitet werden musste. Wir wollten uns vom unseres Erachtens „steckengebliebenen“ Antiimperialismus abheben, der nicht über das bewegungseinschränkende Verharren in blockkonfrontativen Argumentationsmustern hinausgekommen war. Danach widmeten wir uns wieder anderen Dingen.

Zentren-Demo der AIHD am 12. Februar 2000 (Zeitungsfoto)

 

AIB: Ihr habt gerade die AA/BO angesprochen. Wart ihr so zügig Mitglied geworden?

AIHD: Wie gesagt, die Aufnahme fand kurz nach unserer Gruppengründung statt. Die Autonome Antifa Heidelberg war schon Mitglied in diesem seit 1992 existierenden Zusammenschluss gewesen. Da lag es nahe, jene Gruppe, welche die andere gewissermaßen ersetzt und personell um ein Vielfaches erweitert hatte, gleich mit in diese Organisation zu holen. Die AIHD hatte sich ja unter den politischen Vorzeichen konstituiert, Mitglied einer bundesweit aufgestellten, verbindlichen Struktur zu werden. Die AA/BO bot sich perfekt an.

Das, was wir in der Antwort auf die erste Frage unter dem Stichwort „Aufhebungsperspektivische Ausrichtung“ zusammengefasst haben, fokussiert vornehmlich auf unser kämpferisches, antagonistisches Verhältnis zum uns umgebenden bürgerlich-kapitalistischen Herrschaftssystem. Diesem ist involutionär immanent, dass es sich krisenbewältigungsstrategisch optional für den oder: einen Faschismus entscheiden oder sich zum oder: zu einem Faschismus hin entwickeln (lassen) kann. Vor allem dann, und hiermit hatten wir es im Falle der seit zehn Jahren sehr groß gewordenen, „alternativlosen“ BRD zu tun, wenn nach der Befreiung nicht nur keine Entnazifizierung stattgefunden hatte, sondern nazistische Kontinuitätslinien, Parteistrukturen, Kampfverbände, Vereine, Organisationen, Wehrsportgruppen, Theoriezirkel, Seilschaften, Schulungszentren, Geschichtsklitterung, Medienhäuser, Verlage staatlich subventioniert oder aber doch nicht energisch genug bekämpft wurden. Die bundesrepublikanische Nachkriegs-Restauration hatte – zusammen mit dem übriggebliebenen NS-Staat-Personal – die so genannte wehrhafte Demokratie aus der Taufe gehoben. Bevor wir uns also revolutionär um den nationalliberalen Wettbewerbsstaat kümmern konnten, in welchem der Faschismus als seine extremste, seine terroristischste Herrschaftsform „wurzelte“, mussten wir hier und heute radikal „entnazifizieren“ – auch unter nachholenden Aspekten. Nur so konnten wir kategorisch sichergehen, dass sich Auschwitz nicht wiederhole. Der für uns unumstößliche Gültigkeit besitzende Schwur von Buchenwald ging aber noch weiter und verlangte in dieser programmatischen Ausdehnung grundlegende Transformationen: Es reichte nicht ganz aus, den Faschismus auf allen Ebenen und mit allen Mitteln zu attackieren; er musste „mit seinen Wurzeln“ vernichtet werden. Und das war eben das bürgerlich-kapitalistische Akkumulationsregime. Die AIHD und die Gruppen der AA/BO waren also: revolutionäre Antifaschist*innen, die staatlich unabhängig und militant im emanzipatorischen Sinne agierten.

AIB: Verstehen wir euch richtig? Eurer Einschätzung nach bezog sich „Autonom“ doch auf den historischen Rekurs, die Organisationsform, die politisch-theoretische Kalibrierung, das Betätigungsfeld, die Aktionsform der damit adjektivierten Gruppierungen, oder? Und was war dann mit dem Aspekt, von staatlich-institutioneller Beeinflussung, Infiltrierung, Integration, Förderung, Bevorzugung, Vereinnahmung unabhängig zu sein – sowohl in diskursiver als auch in praktischer oder gar finanzieller Hinsicht?

AIHD: Auch das wollten oder mussten wir selbstverständlich sein, das eine ließ sich vom anderen nicht wirklich trennen. „Wehrhaftigkeit“ der Demokratie hieß in der wiederbewaffneten BRD ja eben nicht, den Staat und die Gesellschaft vor dem Faschismus zu schützen; im Gegenteil: Die freiheitliche demokratische Grund-Ordnung musste davor bewahrt werden, grund-legend verändert zu werden – von links! Und dabei halfen die alten NS-Staats-Täter*innen und -Kollaborateur*innen selbstverständlich gerne.

Der Staat als Verdichtung regulativer Machtkomponenten war also im doppelten Sinne der politische Feind, mit dem nicht zusammengearbeitet, der nur „draußen“ gelassen werden konnte: Das eine Mal, weil er nachweislich keine Entnazifizierung durchgeführt hatte; das andere Mal, weil er als föderalistische Repräsentativdemokratie fortwährend zuließ, optional nach dem Faschismus „zu greifen“. Mit solch einem Staat wollten wir nichts zu tun haben. Gar nichts.

Und er ja auch nichts mit uns: Exekutiv, judikativ und legislativ im Repressionsmodus gesichert, bildete zwar die wissenschaftlich haltlose Extremismustheorie, derzufolge eine „Demokratie“ von den politischen Kräften des äußersten linken und rechten Randes zermalmt werden könne, das hufeisenförmige Grundgerüst der republikanischen Verfassungsarchitektur. Im Kern ging es der ins westliche Militärbündnis eingegliederten BRD aber vornehmlich darum, ihre soziale oder besser: liberale Marktwirtschaft bis an die Zähne bewaffnet zu verteidigen. Bevorzugt gegen Personen, Stadtguerillagruppen, Zusammenschlüsse, Vereinigungen, Bewegungen, Parteien, die emanzipatorisch einen grundlegenden Wandel der Verhältnisse herbeiführen wollten. Die seit den 1980er Jahren als solche wahrnehmbaren autonomen Antifaschist*innen, auf die wir positiv rekurrieren, wurden auf jeden Fall diesem „verfassungsfeindlichen“ oder „verfassungswidrigen“ Milieu subsumiert und dementsprechend kriminalisiert. Die Folge davon war, dass der Staat nach der so genannten Wende Gruppen aus diesem Milieu zu terroristischen Vereinigungen erklärte und folglich nach § 129a ermittelte. Das waren Gruppen, mit denen die AIHD bis zu deren Auflösungen zusammengearbeitet hat.

Trotz alledem war uns natürlich klar, das war offensichtlich: Wir lebten, wir agierten nicht im Faschismus, auch wenn sich alles dorthin entwickeln könnte …

AIB: Und warum seid ihr dann gerade im Jahre 2000 an diesem Punkt, also dem „Unvereinbarkeitsbeschluss“ zwischen Staat und Autonomer Antifa, ins Hadern gekommen?

AIHD: Wir hatten es in der BRD ja durchgängig mit neonazistischen, mit rassistischen, mit antisemitischen Anschlägen zu tun. Ein staatliches Gefüge, das trotz oberflächlich anderslautender Programmatiken seinen massiv hochgerüsteten Repressionsapparat nicht oder nur ungenügend in Anschlag bringt gegen faschistische Kräfte, Zusammenrottungen, Bewegungen, Interessengruppen oder Parteien, der lädt die gewalttätigen, von Waffen und Sprengstoff begeisterten Teile dieses über die ganze BRD verstreuten antidemokratischen Spektrums quasi dazu ein, das in seinen Augen „republikanische Zwischenspiel“ schnellstmöglich wieder zu beenden oder zumindest sehr stark in die autoritäre Formierung zu drängen. Am besten funktioniert dies über Terror, Einschüchterung, Bedrohung, Verängstigung, Mord. Höhepunkt dieser Demonstration von Stärke ist sicher das neonazistische Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980.

Die Frage ist unaufhörlich jene nach der staatlich-institutionellen und zivilgesellschaftlichen Sensibilisierung. Welche Anschläge, Körperverletzungen, Morde werden überhaupt als „rechts“ oder „faschistisch“ eingestuft und von wem, von welcher Stelle? In welchem Intensitätsgrad werden die daran gebundenen Analysen diskursiv wie aufbereitet? Und wer reagiert dann wie, wobei da durchaus die polizeitaktische Trinitas aus Prävention, Reaktion und Präemption ins Spiel gebracht werden kann?!

Zehn Tage vor dem zum zweiten Mal von uns verantworteten Antifaschistischen Straßenfest verübten drei Neonazis einen Brandanschlag auf die Synagoge in Erfurt. Am 14. Juni 2000 starb Alberto Adriano, nachdem er aus rassistischen Motiven von drei Neonazis in Dessau brutal zusammengeschlagen worden war. Am 27. Juli 2000 explodierte am S-Bahnhof Wehrhahn in Düsseldorf eine Rohrbombe, die zehn Menschen lebensgefährlich verletzte. Nach diesen drei Taten innerhalb von drei Monaten verkündete der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den „Aufstand der Anständigen“; und nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf am 2. Oktober 2000 sagte er nach dem „Tag der Deutschen Einheit“ wörtlich: »Wir brauchen einen Aufstand der Anständigen, wegschauen ist nicht mehr erlaubt.« Außerdem müsse mensch ein „Maß an Zivilcourage entwickeln“, damit „Täter nicht nur kriminalisiert, sondern auch gesellschaftlich isoliert würden“.

AIB: Nahm der Staat euch nun eure „zivilgesellschaftliche Arbeit“ ab?

AIHD: Nun, das Gerede von der „Staats-Antifa“ war plötzlich in aller Munde. Und uns autonomen Antifa-Gruppen war sowieso schon seit längerem der Vorwurf gemacht worden, wir betrieben – an den zuständigen Ermittlungsbehörden vorbei – Selbstjustiz, Deutungshoheitspolitik, Verfassungsbruch und Demokratiezersetzung – auch mit dem Ziel, die BRD vorzuführen, zu demaskieren: »Seht her, hier sind wir, und mit jeder militanten Aktion gegen Nazis machen wir euch deutlich, dass ihr nichts unternehmt, wegschaut, eher noch fördert.«

Und plötzlich „sagte“ der höchste Repräsentant dieses mächtigen Staates, dieser „materiellen Verdichtung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse“: »Jetzt nehmen wir das antifaschistische Ruder selbst in die Hand! Wir räumen auf. Wir stehen auf.«

Wir können uns noch sehr gut an die Zeiten des Schröderschen Imperativs erinnern, zumal er bei „uns“, besser gesagt im Rhein-Neckar-Dreieck, schon ein paar Tage vor seiner offiziellen Ausrufung „befolgt“ werden sollte – nämlich in Ludwigshafen.

AIB: Warum gerade Ludwigshafen? Und was hatte Ludwigshafen mit Heidelberg zu tun?

AIHD: Mit Rhein-Neckar-Dreieck bezeichnet mensch den Ballungsraum um die südwestdeutschen Großstädte Heidelberg, Mannheim und: Ludwigshafen. LU gehört zwar schon zu Rheinland-Pfalz, ist aber wirklich nicht allzu weit von Heidelberg entfernt. Und in LU gab es schon immer eine große, gut organisierte, militante Neonazi-Szene, mit der wir stets unsere handgreiflichen Probleme hatten.

Am 16. Juli 2000 verübten mindestens vier Faschisten aus überregional vernetzten Stahlhelm- und Kurpfalzfront-Strukturen einen Brandanschlag auf eine Geflüchteten-Unterkunft in LU-Oppau, indem sie Molotow-Cocktails ins Gebäude warfen. Dabei wurden mehrere Menschen schwer verletzt. Die AIHD reagierte sofort. Zusammen mit dem damals noch existierenden Antifaschistischen Aktionsbündnis Rhein-Neckar (AARN) zogen wir noch am selben Tag in einer Spontandemonstration unter dem Motto „Gegen Nazi-Strukturen und rechte Gewalt“ mit über 300 Menschen durch LU. Am Samstag darauf wollten wir dann eine bundesweite Antifa-Demo durch LU ziehen lassen.

Prozessauftakt gegen die Brandstifter am 30. Oktober 2000 in Frankenthal
AIB: Das klingt alles noch sehr nach „klassischer“, eher reaktiver Antifa-Arbeit. Vom staatlich verordneten „Anstands-Aufstand“ noch keine Spur.
AIHD: Richtig. Noch war es „typischer“ autonomer Antifaschismus, der hier angesetzt wurde: Wir analysierten einen bereits geschehenen Vorfall, entlarvten ihn als neonazistisch-rassistischen Brandanschlag, ordneten ihn einem politischen Milieu zu, planten die nächsten Schritte, koordinierten uns, klopften „unsere“ staats- und parteiunabhängigen Bündnisse und Organisationen ab, stimmten die unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten ab, schrieben Pressemitteilungen und druckten Flugblätter. Wir bündelten unsere antifaschistischen Kräfte und organisierten schließlich die Demo am 22. Juli 2000, die dann durchgeführt und in den Tagen darauf szeneintern nachbesprochen werden sollte.

Und dann kamen die „Anständigen“, obwohl sie da offiziell noch gar nicht so hießen.

Für uns unerwarteterweise ging in der Woche zwischen dem Anschlag und der Antifa-Demo ein heftiger Ruck durch die bürgerliche Parteienlandschaft und Zivilgesellschaft. Den Schröderschen Appell vorwegnehmend, in dessen Folge „Aktionspläne“ entworfen und staatliche Programme zur organisatorischen und finanziellen Unterstützung von Initiativen gegen „Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ entwickelt wurden, hingen sich auf einmal SPD, FDP, CDU, die Grünen, die FWG LU, die Kirchen, parteiendominierte Bürger*inneninitiativen, korporatistische Gewerkschaften dran, kaperten „unsere“ Demo und versahen sie mit dem oberflächlichen Motto: „Gegen Ausländerhass“. Wir befanden uns mitten im „Staats-Antifa-Sommer“.

AIB: Habt ihr dann nicht mehr zur Demo mobilisiert, die ja von euch schon gegen die Nazi-Strukturen vor Ort und die ganze rechte Gewalt ausgerufen worden war?

AIHD: Das hätte eigentlich die Konsequenz sein müssen. Wir entschieden uns dann aber dafür, innerhalb des bürgerlichen Aufzugs einen sichtbar separierten, starken eigenen Block zu bilden und unsere Inhalte von dort aus massiv nach außen zu tragen. Das hat dann am Tag der Demo selbst so gut funktioniert, dass wir radikal linken Antif@s diese nicht nur prägten, sondern komplett vereinnahmten – personell und von der Außenwirkung her. Unser riesiger Block wurde angeleitet von einem Transparent mit der Aufschrift: »Rassismus tötet – Leistet Widerstand gegen Volk und Nation.« Vor dieser Demo hatte sich bereits herumgesprochen, dass das rot-gelbe „Kabinett Beck II“ den Staatssekretär im Mainzer Innenministerium, Ernst Theilen (SPD), nach LU entsenden wolle, um ihn dort auf der Abschlusskundgebung eine Rede halten zu lassen. Theilens Oberster Dienstherr war zu diesem Zeitpunkt der berüchtigte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD).

Demonstration am 22. Juli 2000 in Ludwigshafen (Zeitungsfoto)
AIB: Was passierte dann?
AIHD: Nun, seine Rede hat Theilen, der tatsächlich angereist war, nicht halten können, weil wir, nachdem er auf die erhöhte Bühne geklettert war, ebendiese antifaschistisch enterten und mehrere große Transparente entfalteten. Dabei wurde in Sprechchören unablässig skandiert: „Nazis morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack.“ Schließlich musste die Veranstaltung abgebrochen werden, Theilen hatte umsonst einen Text vorbereitet. Nach diesem Debakel gab er in Interviews an: »Wir müssen überlegen, wie wir mit derartigem Chaotentum, von links oder rechts, fertig werden.« Und damit keine Missverständnisse bei den Rezipient*innen dieser extremismustheoretischen Präemption aufkommen, wer mit „wir“ gemeint sein könne, schob er in bester soziologischer Fundierung nach, dass dabei – also beim „Fertigwerden“ mit den linken und rechten Chaot*innen – die „gesamte Gesellschaft gefordert“ sei: »Von den Eliten bis zur Arbeitsmarktpolitik.« Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
In den folgenden Monaten beendete die AIHD ihre antifaschistischen Flugblätter und Pressemitteilungen oftmals mit der folgenden Parole:

„An den Anstand der Aufständischen: Gegen staatlichen Rassismus und faschistischen Terror – Antifaschismus muss praktisch werden.”

Die AIHD gibt es heute noch, der „Aufstand der Anständigen“ ist längst Geschichte.

Juli 2020

Grußwort der AIHD/iL auf dem Bergfriedhof am 1.11.19

Bei der jährlichen Gedenkveranstaltung am 1. November auf dem Heidelberger Bergfriedhof versammelten sich trotz strömenden Regens etwa hundert Menschen, um gemeinsam an die von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer*innen zu erinnern. Die AIHD/iL beteiligte sich auch 2019 wieder mit einem Grußwort:

„Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

wir haben uns heute hier versammelt, um den Kämpfer*innen Tribut zu zollen, die für die Freiheit vom Hitler-Faschismus den höchsten Preis zahlten. Es gilt – wie jedes Jahr -, dem Vergessen entgegenzuwirken und an die Taten und Ideale dieser mutigen Menschen zu erinnern.
Doch der Kampf gegen den Faschismus gehört nicht der Vergangenheit an.
„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen.“ Dieser Satz ist Motivation unserer Anstrengungen.
Um ein Sich-Wiederholen der Geschichte zu verhindern, gilt es also, die Zeichen der Zeit frühzeitig zu erkennen. Und die Zeichen unserer Zeit stehen eindeutig auf Rechtsruck.
Ein spürbar kühler Wind geht um in der Republik, der Hass und die Gewalt gegen Geflüchtete, Muslime und Jüdinnen und Juden nimmt seit Jahren zu.
Bestärkt werden Ressentiments durch den Aufstieg der faschistischen AfD und ihre Parolen, gerechtfertigt durch rassistischen und menschenverachtenden politischen Alltag wie Abschiebungen oder die EU-Abschottungspolitik. Es ist ein Klima, aus dem in bedrohlichem Umfang Terror entsteht.
Zu nennen sind für die BRD in jüngster Zeit – neben den zahlreichen Übergriffen und Anschlägen auf Asylunterkünfte – der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke am 2. Juni dieses Jahres und der antisemitische Anschlag in Halle vor drei Wochen. Dass nach einem faschistischen Terroranschlag immer wieder Fassungslosigkeit bekundet wird, ist nicht hilfreich und mutet gefährlich naiv an.
Lange schon warnen antifaschistische Gruppen vor der Gefahr bewaffneter und untergetauchter Neonazis. Doch oftmals wird diese Gefahr bagatellisiert, und es wird offensichtlich, wie beim Mörder von Walter Lübcke, nicht entsprechend gehandelt.
So fordern wir, dass faschistische Organisationen wie Combat 18 nicht kleingeredet, sondern verboten werden, und die neonazistische Szene konsequent entwaffnet wird.
Lange schon berichten jüdische und migrantische Communities von der akuten Bedrohungslage und prangern an, nicht gehört zu werden von Seiten der Politik und Behörden, aber auch von zivilgesellschaftlicher und antifaschistischer Seite wie bei der rassistischen Mordserie des NSU. Auch hier fordern wir endlich Aufklärung und die Freigabe aller Akten im Zusammenhang mit den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds. Auch hier liegt es an uns, zu erinnern und die Fehler nicht zu wiederholen.
Der rechte Terror hat in der Bundesrepublik Tradition, und es ist an der Zeit, ihm ein Ende zu bereiten. Dafür müssen die Verstrickungen der Geheimdienste, insbesondere des so genannten Verfassungsschutzes, sowie die rechten Netzwerke in Polizei und Bundeswehr aufgeklärt und aufgedeckt werden.
Der Rechtsruck schlägt sich in allen Teilbereichen der Gesellschaft nieder. Faschisten in jedem dieser Bereiche zu isolieren, egal ob auf der Straße, in Vereinen, in den Köpfen oder den Gemeinderäten, und nicht auf ihre Angebote hereinzufallen, sondern sie stattdessen entschieden zu bekämpfen, kurz gesagt: eine Normalisierung nicht zuzulassen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.
Dies ist nicht nur legitim, sondern das Gebot der Stunde, und alle, die hier eine „undemokratische Haltung“ oder „Meinungsdiktatur“ erkennen wollen, stehen auf der Seite der Faschisten bei ihrer Mission der Zerstörung der Zivilgesellschaft. Es zeigt sich immer wieder, dass wir uns auf die so genannte Mitte nicht verlassen können, und es an uns liegt, genau das zu verhindern, den Rechtsruck zu stoppen und stattdessen eine solidarische Gesellschaft aufzubauen, in der Hass, Rassismus und Ausbeutung keinen Platz finden.
Hier müssen wir auch aus den Fehlern der Arbeiter*innenparteien der Weimarer Republik lernen, die es nicht schafften, eine antifaschistische Einheit gegen den Faschismus zu formen. Erst in der Illegalität, wie in der Gruppe um Georg Lechleiter, kämpften Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen gemeinsam.
Peter Gingold sagte einmal: „Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“
Er hatte Recht.
Dass es kühler wird in der BRD, sehen wir auch an einer zunehmenden Militarisierung. Immer lauter werden die Rufe aus der so genannten Mitte nach mehr außenpolitischem Engagement und dem Übernehmen von militärischer Verantwortung: beschönigende Worte aus dem bürgerlichen Feuilleton und der Politik, um den deutschen Großmacht-Ambitionen einen humanistischen Anstrich zu verleihen.
Wir erinnern uns, wie der Einsatz der Bundeswehr in Jugoslawien 1999 gerechtfertigt wurde.
Wir haben nicht vergessen, wer den Krieg im Irak und in Syrien begonnen hat.
Es waren und sind die Armeen der NATO, welche die Region destabilisierten und den Aufstieg des IS begünstigten. Es ist eine NATO-Armee, die jetzt in Nordsyrien einfällt und mit Hilfe von islamistischen Milizen ethnische Säuberungen durchführt. Und nun will sich eine weitere NATO-Armee als Ordnungsmacht inszenieren? Es geht hier nicht um Frieden, sondern um geopolitische und ökonomische Macht. Die deutsche Industrie profitiert von der Militarisierung des AKP-Regimes in der Türkei, und die US-Streitkräfte sichern die Ölquellen im Osten Syriens.
So, wie es das Ziel der illegalen Zeitschrift „Der Vorbote“ war, die Mobilisierung der Nazis gegen die Sowjetunion zu unterwandern, so ist es unsere Aufgabe, dem Krieg einer NATO-Armee gegen das fortschrittliche Projekt der Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyrien entgegenzutreten und die Großmacht-Bestrebungen der BRD anzuprangern.
Nein die deutsche Politik muss keine militärische Verantwortung in Syrien übernehmen.
Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen, daher lautet unsere Parole immer noch: Krieg dem imperialistischen Krieg!“

1.11.: Gedenken auf dem Bergfriedhof Heidelberg

Alljährlich zum 1. November rufen VVN-BdA und DGB zum Gedenken am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Bergfriedhof auf. Dort wird mit Redebeiträgen an die vom NS-Regime ermordeten WiderstandskämpferInnen erinnert. Treffpunkt ist um 13.45 Uhr am Krematorium auf dem Bergriedhof, um gemeinsam zum Gedenkstein zu gehen.

Seit der Einweihung 1950 liegen hier vor allem Mitglieder der Lechleiter-Gruppe, AntifaschistInnen aus Heidelberg und Mannheim. Insgesamt wurden 27 Hingerichtete und zu Tode gequälte Frauen und Männer, auch aus dem Elsass und der Tschechischen Republik, an dieser Stelle bestattet.

Die Hauptrede hält Jörg Watzinger, Sohn eines Verfolgten des Nazi-Regimes. Daneben wird es mehrere Grußworte geben, unter anderem von der AIHD/iL. Der Chor „Gegenwehr“ aus Mannheim sorgt für die musikalische Umrahmung.

6.10.: Antifa-Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus“

Am 6. Oktober 2019 veranstalten wir wieder zusammen mit der VVN-BdA Heidelberg den Antifaschistischen Stadtrundgang „Heidelberg im Nationalsozialismus – Verfolgung und Widerstand“ durch die Heidelberger Altstadt, der diesmal im Rahmen des Kritischen Semesterbeginns stattfindet. An verschiedenen historischen Orten wird an TäterInnen und Opfer erinnert, aber auch an Menschen, die es gewagt haben, Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Ecke Hauptstraße/Theaterstraße.