Wieder rechtes Treffen in Gaststätte „Tominac“: Clubabend der rechtslibertären Hayek-Gesellschaft

Im Dezember 2025 haben wir veröffentlicht, dass die AfD Heidelberg die Gaststätte „Tominac“(Dossenheimer Landstraße 151, Heidelberg) als Veranstaltungsort für ihre „Stammtische“ nutzt. Aus Sorge vor antifaschistischem Protest bewirbt die AfD in Heidelberg ihre halböffentlichen Veranstaltungen nicht frei und der Ort war bis dato geheim.

Nun war das „Tominac“ am 14.07.2026 erneut Gastgeber eines rechtes Treffens,des Hayek-Clubs Heidelberg/Mannheim, ein Club der Hayek-Gesellschaft: Die „Hayek-Gesellschaft“ fördere und verbreite nach ihren Statuten die „wirtschafts-, rechts- und gesellschaftswissenschaftliche[…] Forschung und Erkenntnis im Geiste Friedrich A. von Hayeks“. Friedrich A. von Hayek war ein österreichischer rechtslibertärer und neoliberaler Kapitalist. Er lehnte staatliche Eingriffe in den Markt ab und erhielt für seine Theorien dazu 1984 den Hanns-Martin-Schleyer-Preis. Seine Schriften waren immer wieder ideologische Rechtfertigungspamphlete von Ungerechtigkeit und er behauptete unter anderem, der Nationalsozialismus sei eine Weiterentwicklung des Sozialismus gewesen. Er beriet die britische Premierministerin Margaret Thatcher, als diese von 1979 bis 1990 die Steuern für Reiche senkte und stattdessen zusätzliche Forderungen von Armen erhob, Sozialleistungen strich und Gewerkschaften zerschlug. Hayeks ökonomische Thesen wurden in den 1980er-Jahren unter anderem vom Diktator Augusto Pinochet angewendet. Mit Pinochet, unter dessen Herrschaft mehrere tausende Menschen gefoltert, ermordet und verschwinden gelassen wurden, stand Hayek auch in persönlichem Austausch und schrieb Verteidigungen seines Regimes. Der Ökonom Joseph Schumpeter kommentierte Hayeks Werk, dessen Libertarismus sei nur Sklavenhaltern zu empfehlen. Die Apartheid in Südafrika verteidigte Hayek ebenfalls und schrieb, die „Totalität [müsse] standhalten […] gegen ruinöse Forderungen globalisierter Moralvorstellungen“. Dementsprechend ist es nicht überraschend, dass Beatrix von Storch und viele weitere AfDler*innen (Alice Weidel bis 2021 ebenfalls) Mitglied der Gesellschaft sind.

Finanziert wurde die „Hayek-Gesellschaft“ die meiste Zeit von der „Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft“, einer Privatstiftung, die ein siebenstelliges Stiftungsvermögen innehat. 2020/2021 kam es zu einem Bruch zwischen Gesellschaft und Stiftung, als die Stiftung einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der AfD fasste. Gemäß der Ideologie Hayeks und seiner Vorliebe für Despoten ehrte die Gesellschaft im Juni 2024 den „anarchokapitalistischen“ rechtsradikalen argentinischen Präsidenten Javier Milei mit der Hayek-Medaille für „die Abschaffung des egalitären Wohlfahrtstaates“ (Ehrenvorsitzender Gerd Habermann vor der Verleihung auf dem neurechten Blog „Achse des Guten“), die Milei im Wahlkampf mit einer Kettensäge wedelnd angekündigt hatte. Milei reiste zur Verleihung persönlich nach Hamburg. Habermann, der sich als „liberal-humanistisches Mitglied der Katholischen Kirche“ bezeichnet und seine geistigen Ergüsse außer in der „Achse des Guten“ auch im neurechten „anarchokapitalistischen“ Magazin „eigentümlich frei“ veröffentlicht, bezeichnete im gleichen Atemzug das Gendern – ein Statement der Anerkennung verschiedener Geschlechtsidentitäten – als „Destruktionismus“, also als die Gesellschaft zerstörend. Das zeigt deutlich die Schlagrichtung des Libertarismus der Hayek-Jünger: Freiheit der Herrschaft und Knechtschaft dem Pöbel.

Der Präsident Holger Thuß, der Vizepräsident Michael Limburg und der Generalsekretär Wolfgang Müller des Klimawandelleugner*innen-Vereins „Europäisches Institut für Klima und Energie e.V.“ (EIKE) – Sammelbecken der politisch organisierten Klimawandelleugner*innen in der BRD – sind Mitglied der Hayek-Gesellschaft und halten im Rahmen ihrer Veranstaltungen Vorträge. Im Gegenzug hielt Habermann 2011 einen Vortrag auf einer Konferenz von EIKE. Weitere Mitglieder der Gesellschaft sind beispielsweise:

Henryk M. Broder, Gründer der „Achse des Guten“Carlos Gebauer, Vorsitzender des „Javier-Milei-Instituts für Deregulierung in Europa“

Hans-Adam II., Staatsoberhaupt Liechtensteins und Korporierter, der mit seinem Geld verschwörungsideologische UFO-Forscher finanziert

Markus Krall, bei dem es 2022 wegen Kontakten zur „Patriotischen Union“, der Reichsbürger-Terrorgruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß, eine Hausdurchsuchung gab

Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Lobbyverbands „Die Familienunternehmer“, der im Dezember 2025 bekannt gab, fortan auch Gespräche mit der AfD führen zu wollen

Tito Tettamanti, Multimillionär, dessen Firma „Fidinam“ in diverse Geldwäscheskandale verwickelt ist, Kund*innen hilft, Geld vor Gerichten und Steuerbehörden zu verstecken und hierfür für sie 7.000 Briefkastenfirmen aufbaute

Hendrik Hagedorn, Bundesschatzmeister der Hayek-Gesellschaft, der am neurechten Sommerfest von Götz Kubitschek in Schnellroda teilnahm

Ulrich Vosgerau, Anwalt von Björn Höcke und Teilnehmer des „Potsdamer Remigrationstreffens“

Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des sogenannten „Verfassungsschutzes“, der mittlerweile vom Inlandsgeheimdienst selbst als „rechtsextremes Beobachtungsobjekt“ geführt wird

sowie diverse weitere Autor*innen rechter Blogs und Magazine, Klimawandel- und Coronaleugner*innen, Korporierte und Unterzeichner*innen des sogenannten „Appells für freie Debattenräume“ – ein offener Brief gegen angebliche „Cancel Culture“ anlässlich der Ausladung der antisemitischen Comedian Lisa Eckhart 2020 von einem Hamburger Literaturfestival.

Preisträger*innen der Hayek-Medaille sind neben Milei unter anderem:

Ron Paul (2026), US-amerikanischer Politiker, der sich im Wahlkampf von Nazis unterstützen ließ

Roland Tichy (2015), Herausgeber des rechten Magazins „Tichys Einblick“

Elisabeth Noelle-Neumann (2006), Autorin der von Joseph Goebbels herausgegebenen NS-Propaganda-Zeitung „Das Reich“

Obgleich der Neoliberalismus und die Menschenverachtung der AfD recht gut zu Hayek passen, löste die Nähe zur Nazi-Partei 2015 kleinere Diskussionen in der Hayek-Gesellschaft aus: Die damalige Vorsitzende Karen Horn forderte eine Abgrenzung der Gesellschaft von rechtsradikalem Gedankengut. Daraufhin forderten einige Mitglieder in einem offenen Brief ihren Rücktritt, denn Horn lebe den Geist der Freiheit nicht vor. Nachdem sich herauskristallisierte, dass die Gesellschaft sich nicht von ihren Nazi-Freund*innen abgrenzen wird (schließlich passen diese ideologisch ja auch gut genau dort hin), traten über 50 Mitglieder aus, mitunter wohl auch aus Imagegründen. Einer von ihnen war Christian Lindner.

Am 14.07.2026 hielt in Heidelberg im Rahmen des Hayek-Clubabends Susanne Schröter einen Vortrag darüber, warum „der Kampf gegen rechts“ gescheitert sei. Anwesend waren in der Gaststätte „Tominac“ 15-20 Zuhörer*innen. Teilnehmen dürfen an den Clubabenden nur Mitglieder und geladene Gäst*innen. Die bisherigen Texte Schröters zu dieser Frage muten wirr an: Zwar kritisiert sie die AfD als „dumpf-faschistoid“, die Gründe für deren Aufstieg sieht sie jedoch bei den Gegner*innen der AfD, die im Sinne der Wokeness die Gesellschaft „dazu nötigen“ würden, „verquastete Sprachregelungen zu praktizieren“ und „die Herkunft von Messerstechern“ verschweigen würden. So unterscheiden sich ihre Positionen nicht ernstzunehmend von denen der rassistischen und queerfeindlichen Nazi-Partei. Darüber hinaus ist sie der rassistischen Ansicht, mensch sollte allen (muslimischen) männlichen Geflüchteten, die in Deutschland ankommen, den Umgang mit Frauen in Rollenspielen erklären. Andererseits sei das Ergebnis von 150 Jahren Frauenbewegung, dass mittlerweile Männer in einigen Bereichen benachteiligt seien. Während sie muslimische Männer unter Generalverdacht stellt, lehnt sie dies bei alten weißen Männern ab und bezeichnet den Begriff „alter weißer Mann“ als „rassistische Konstruktion“. Nach Nennung dieser Thesen nicht überraschend, wird immer wieder die Wissenschaftlichkeit Schröters Arbeit, die emeritierte Professorin für Ethnologie ist und bis 2025 Leiterin des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ der Universität Frankfurt a.M. war, angezweifelt. Als 2023 auf einer ihrer Konferenzen unter dem Titel „Migration steuern, Pluralität gestalten“ Boris Palmer (Oberbürgermeister von Tübingen und Ex-Grüner) darauf bestand, das N-Wort sagen zu dürfen und Kritik daran mit dem Holocaust verglich, distanzierte sich sogar das Präsidium der Universität Frankfurt. Wissenschaftliche Kritik wimmelt Schröter ab, indem sie behauptet, die Universitäten seien eine „links-islamistische Wagenburg“. Linke und Islamist*innen hätten laut Schröter das gemeinsame Ziel, „den Westen“ zu bekämpfen, behauptet sie im Rahmen ihres Buchs „Links, rechts, islamistisch“. Aber wir Linke bekämpfen kein abstraktes Gebiet auf diesem Erdball oder seine angeblichen Werte, wie in der Verschwörungsideologie des „Kulturmarxismus“ fantasiert und von Schröter gerne reproduziert, sondern den mörderischen Kapitalismus, der auf verschiedenen Diskriminierungs-, Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen gebaut ist und diese gleichzeitig hervorbringt. Die Hayek-Gesellschaft propagiert genau diesen in seiner entfesseltsten Ausgestaltung.

Sie versucht hierfür auch gezielt Jugendliche zu indoktrinieren: Jedes Jahr veranstaltet sie hierzu die „Akademie der Freiheit“ für Schüler*innen, Student*innen und „Berufstätige“ unter 30 Jahren. 2026 findet diese vom 10. bis zum 15. August in Wittenberg statt. Programmpunkte sind unter anderem ein „Argumentations- und Rhetoriktraining“ mit dem Milei-Fan Gebauer – ob dort die Argumentationsstrategie „Kettensägenmassaker“ diskutiert werden wird, bleibt offen. Jedenfalls diskutiert Nickolas Emrich, Gründer des Salat- und Smoothie-Franchises „Immergrün“, mit den Teilnehmer*innen am vierten Tag, ob Kettensäge oder Gartenschere das bessere Instrument zum Sozialabbau sei. Daneben rufen die Hayek-Gesellschaft sowie ihre Clubs immer wieder Schüler*innen zu Wettbewerben auf: 2025 sollten sie beispielsweise einen Essay zur Verteidigung der Wehrpflicht schreiben. Einen Videowettbewerb des Hayek-Clubs Frankfurt gewannen zwei Neuntklässler, die in ihrem Beitrag behaupteten, mehr Kapitalismus und Eigentum sei besser für das Klima. Rhein-Main-Rechtsaußen schreibt dazu: „Derartiger Unsinn hätte in einer Schularbeit der neunten Klasse vermutlich eine glatte Sechs […] zur Folge. Als Preis bekamen die beiden jedoch eine Unze Gold.“ So werden junge Menschen mit teuren Preisen und der Zugehörigkeit zu einer sich selbst als Elite gerierenden geködert, um eine Politik zu nähren, die ihre eigene Zukunft (oder mindestens die ihrer weniger privilegierten Mitschüler*innen) zu zerstören.

Bislang veranstaltete der Hayek-Club Heidelberg/Mannheim seine Clubabende im Restaurant „Cantinaccia“ in Heidelberg Handschuhsheim. Jetzt weichen sie auf die Gaststätte „Tominac“, ebenfalls Veranstaltungsort der „Stammtische“ der Heidelberger AfD, an den Stadtrand aus. Das „Tominac“ macht damit einige Schritte, um sich zum neuen einschlägigen Raum für allerlei rechte und rechtsradikale Veranstaltungen in Heidelberg zu entwickeln, nachdem die Villa Stückgarten der Nazi-Burschenschaft Normannia seit einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Etablierung solcher Räume müssen wir verhindern. Wer als Restaurant Rechten – nach Angabe der Hayek-Gesellschaft sogar kostenlos! – seine Räume zur Verfügung stellt, muss mit Widerstand rechnen. Die Gaststätte „Tominac“ am Stadtrand zu Dossenheim ist kein Aushängeschild für gute kroatische Küche, sondern für braune Soße. Kein Raum, keine Halle, keine Normalität! Kampf jeder rechten Politik!

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