Der Fall Bahner: „Nur“ eine geistig Verwirrte?

Unser Beitrag zu der rechten Kundgebung auf dem Gelände der Heidelberger Polizeidirektion ist auf große Resonanz gestoßen, hat aber bei einigen auch Fragen aufgeworfen. Deshalb wollen wir noch einmal klarstellen, warum wir Frau Bahner als rechte Verschwörungstheoretikerin bezeichnen, obwohl sie ja ganz offensichtlich große psychische Probleme hat und zumindest zeitweise geistig verwirrt ist.

Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass es uns nicht darum geht, den dringend notwendigen Kampf um Grundrechte und Versammlungsfreiheit im Zeichen der Corona-Pandemie zu diskreditieren: Im Gegenteil: Der fast schon liebevolle Umgang mit der rechten Kundgebung offenbart, wie willkürlich und selektiv Demonstrationsverbote staatlicherseits gehandhabt werden. (Linke bekommen gerade stattdessen die volle Härte des Ausnahmezustands zu spüren, selbst wenn sie sich streng an Abstandsregeln und Coronaverordnungen halten)

Warum reden wir also im Zusammenhang mit Frau Bahner von einer rechten Kampagne?
Auch psychisch kranke Menschen handeln und reden nicht im politisch luftleeren Raum. Die Versatzstücke, aus denen Frau Bahner ihre krude Weltsicht zusammenbastelt, stammen aus antisemitischen, holocaustverharmlosenden Ideologien sowie Ideen der „Reichsbürgerbewegung“.

Dass sie in ihrem gegenwärtigen geistigen Zustand dabei kaum zur rechten Theoretikerin oder Organisatorin taugt, ist dabei nebensächlich. Auch der Attentäter von Halle wies ja deutliche Anzeichen auf, die nahelegen, dass er massive psychische Probleme hat. Seine Tat bleibt dennoch rechter Terror.
Wir haben keine Anzeichen für eine Zugehörigkeit Bahners zu einer Organisation der extremen Rechten. In der Vergangenheit war sie in der „Freien Wähler Vereinigung“ aktiv, einer Gruppierung, die im konservativ-rechten und wirtschaftsliberalen Spektrum zu verorten ist. Aber ob sie selbst gemeinsam mit offenen Faschisten organisiert ist oder nicht: Sie benutzt ihre Argumente, benutzt ihre Worte und ihre Erzählungen.
Entscheidend ist, wen Frau Bahner mit ihren Aktivitäten anspricht. Schon zu Beginn war zu beobachten, dass vor allem Nazis, ReichsbürgerInnen und AfD auf ihre Coronaleugnungskampagne aufsprangen und offensichtlich auch mit ihr vernetzt waren. Das hat sich bei der jüngsten Kundgebung bestätigt. Fast die gesamte Heidelberger AfD-Prominenz war anwesend, ebenso der wegen seiner neonazistischen Umtriebe aus der AfD ausgeschlossene Landtagsabgeordnete Stefan Räpple und etliche RepräsentantInnen der Reichsbürgerbewegung.
Wer behauptet, auf der Kundgebung wären nur zweihundert geistig Verwirrte herumgestanden verkennt und verharmlost die Dynamik gegenwärtiger faschistischer Mobilisierung. Diese setzt zunehmend neben politischer Organisierung auf die Schaffung eines häufig verschwörungstheoretisch unterfütterten Milieus, in dem die Objekte des Hasses durchaus auswechselbar sein können. Dass Frau Bahner geistig verwirrt ist, wissen höchstwahrscheinlich selbst Nazis und AfD. Aber das spielt für sie keine Rolle. Sie erfüllt ihre Funktion.