Am 8. März gibt es Heidelberg wieder eine feministische Bündnisdemo zum Internationalen Frauenkampftag. Die Auftaktkundgebung startet um 17 Uhr an der Stadtbücherei Heidelberg.

Heraus zum Internationalen Frauenkampftag!

In vielen westlichen Industrieländern hat sich in Sachen Gender und sexueller Selbstbestimmung einiges getan (Wahl des Geschlechts im Pass, Ehe für alle, Adoptionsrecht etc.). Darüber freuen wir uns selbstverständlich, auch wenn wir wissen, dass trotzdem noch Vieles zu tun bleibt.
Wir wissen auch, dass die neu gewonnenen, einklagbaren Rechte mit dem Erstarken faschistischer und klerikalfundamentalistischer Bewegungen und Regierungen nicht nur in Europa mehr als brüchig sind. Wir wissen aber auch, dass diese Freiheiten und Rechte für den übergroßen Teil der Frauen in der ökonomisch abhängigen und abgehängten Peripherie und in den armen Ländern nicht gelten.

Wir wollen uns nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass die Benachteiligung und die Unterdrückung von Frauen in der ganzen Welt nicht nur eine Folge „rückständiger Ideen“ sind, sondern ganz reale machtpolitische und ökonomische Fundamente haben.
Care-Arbeit ist (ob unbezahlt oder unterbezahlt) immer noch überwiegend Sache der migrantischen und „einheimischen“ Frauen (und mittlerweile zunehmend auch der wirtschaftlich ganz unten stehenden männlichen Migranten). Zum überwiegenden Teil wird sie nach wie vor überhaupt nicht als (zu entlohnende) Arbeit wahrgenommen, sondern als „Liebesdienst“ entweder am Mann und den Kindern oder – in faschistischem Sinne – am „Volkskörper“.
Es liegt nicht an mangelnder „Erziehungsarbeit und Aufklärung“, wenn Frauen in gleichen Berufen auch heute noch weit schlechter bezahlt werden als Männer, sondern es ist das Ergebnis ökonomischer Ausbeutung.

Als Grund für die Schlechterstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wird immer wieder ihre als „natürlich“ wahrgenommene Rolle der Kinderbetreuung und Erziehung angeführt, die sie für das Kapital weniger planbar und berechenbar macht. Es wird einiges unternommen, um diese Rolle zu zementieren. Der Rollback in der Abtreibungsdebatte ist dafür ein kaum zu übersehendes Zeichen. In der jüngsten Debatte um ein „Werbungs“verbot für Abtreibung werden Frauen erneut entmündigt, und ihnen wird das Selbstbestimmungsrecht über ihre eigenen Körper abgesprochen.
Ganz anders sieht es aus, wenn die Schwangerschaft nicht zu den ökonomisch erwünschten Erfolgen zu führen scheint. Wenn eine Behinderung des Kindes auch nur droht, sollen die Abtreibungen weit über die bislang gültigen Fristen verlängert werden können. Nicht nur die Krankenkassen erwarten mittlerweile von Frauen, dass sie „Vorsorgeuntersuchungen“ machen lassen. Schwangere, die eine pränatale Diagnostik ablehnen, müssen sich im gesamten gesellschaftlichen Diskurs für ihr „volkswirtschaftlich unverantwortliches“ Verhalten rechtfertigen.

Unterdrückung von Frauen äußert sich aber nicht nur in strukturellen Abhängigkeiten und Benachteiligungen, also in „legaler“ Gewalt. Überall, wo Frauen beginnen, über die ihnen gesetzten Grenzen hinauszugehen, droht ihnen ganz konkrete körperliche Gewalt. Frauen werden weitaus häufiger als Männer Opfer von Gewalttaten. Die tatsächlichen Zahlen dürften sogar um ein Vielfaches deutlicher ausfallen, da aktuelle Dunkelfeldstudien davon ausgehen, dass nur 14 % der Taten zur Anzeige und Verurteilung führen. Die Täter sind fast immer männlich. Die meisten Gewalttaten geschehen im immer noch als „familiärer Schutzraum“ verklärten häuslichen Bereich. Und fast immer werden sie als „Beziehungstaten“ verbrämt und vor Gericht als „Taten im Affekt“ verurteilt. Daher lohnt ein Blick auf die angeführten Gründe für die Gewalttaten: Es sind zum überwiegenden Teil folgende Gründe, die zur Gewalt gegen Frauen führen: „Besitzansprüche des Mannes und Eifersucht; Macht und Kontrolle verbunden mit so genannter Bestrafung der Frau; Erwartungen bezüglich der Hausarbeit und finanzieller Ressourcen; Erziehung und Betreuung der Kinder; sexuelle Ansprüche.“
Wir nennen das nicht „Beziehungstaten“, sondern die gewaltsame Durchsetzung von zumeist ökonomisch fundierten patriarchalen Machtansprüchen. Wie auch im rassistischen Diskurs werden Erniedrigungen und Demütigungen nicht an ihren Verursachern gerächt, sondern an strukturell und ökonomisch Schwächeren herrschafts- und gewaltförmig ausgelebt.

Unser Feminismus ist antirassistisch. In den letzten Jahren ist es häufig gelungen, den Kampf gegen frauenfeindliche Gewalt rassistisch aufzuladen. Fakten spielen dabei kaum eine Rolle. Tatsächlich ist die Gefahr, in einer beliebigen Gruppe von Geflüchteten vergewaltigt oder misshandelt zu werden, für Frauen weit geringer als im häuslichen Umfeld von ihrem „Lebensabschnittsgefährten“. Die menschenverachtende Geflüchtetenpolitik der europäischen Staaten richtet sich strukturell gegen Frauen. Durch die gewaltsame Abschottung der europäischen Außen- und zunehmend auch Binnengrenzen wird vor allem Frauen und Kindern die Flucht nahezu unmöglich gemacht. Eine Zusammenführung der ansonsten so überaus geschätzten und heiliggesprochenen Familie durch den so genannten Familiennachzug wird weiter bekämpft und verhindert, während gleichzeitig Krokodilstränen darüber vergossen werden, dass vor allem junge Männer die mörderische Flucht nach Europa schaffen.

Wir sind solidarisch mit Frauen auf der ganzen Welt, die gegen ihre Unterdrückung und für ihre Befreiung aus ökonomischen und patriarchalen Gewaltverhältnissen kämpfen.
Der Kampf für die Befreiung der Frauen ist für uns ein Kampf gegen den patriarchalen Kapitalismus, der die Grundlage der gegenwärtigen Machtverhältnisse bildet.
Wir unterstützen insbesondere den Kampf unserer Genossinnen in Rojava/Kurdistan, die mitten im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ und die von der BRD geförderte und unterstützte türkische Diktatur versuchen, patriarchale Strukturen in ihrer Gesellschaft grundlegend aufzubrechen.

Darum demonstrieren wir am 8. März, am Internationalen Frauenkampftag, für unsere Rechte – demonstriere mit uns!