2.500 Menschen in Solidarität mit Rojava auf den Straßen Heidelbergs

Am Dienstag, 27.1.2026 gingen in Heidelberg 2.500 Menschen in Solidarität mit dem Widerstand in Rojava auf die Straße! Vor 11 Jahren, am 26. Januar 2015, befreiten Widerstandskämpfer*innen die Stadt Kobanê, in der 2012 die Revolution von Rojava ausgerufen wurde, von der dschihadistischen Organisation „Islamischer Staat“ (IS). Rojava, die demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, ist ein Vorbild weltweit: für Frauenbefreiung und die Gleichberechtigung der Geschlechter, für das friedliche Zusammenleben verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen und für Ökologie. Den kurdischen Verteidigungseinheiten YPJ und YPG haben wir maßgeblich den Sturz des IS zu verdanken. Seitdem verteidigen sie im Bündnis der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) Rojava gegen Angriffe islamistischer Milizen und des türkischen Staates, denen die emanzipatorischen Errungenschaften, die Gleichberechtigung im demokratischen Konföderalismus und die Freiheit der Kurd*innen ein Dorn im Auge sind.

Heute ist Rojava wieder unter einem so starken Beschuss wie schon lange nicht mehr. Seit etwa zwei Wochen greifen die Truppen der syrischen Regierung der islamistischen HTS, die aus der al-Nusra-Front hervorgegangen war, Rojava mit einer breiten Offensive an. Die Türkei unterstützt die Angriffe. Die SDF spricht von einem „existenzbedrohenden Krieg“, dessen Ziel es ist, die verschiedenen ethnischen Gruppen in der Region gegeneinander auszuspielen. Die dschihadistische Gewalt ist zurück – die Truppen der HTS-Regierung marschieren in Rojava ein und verüben Massaker. Sie haben mehrere Gefängnisse eingenommen, in denen massenhaft IS-Kämpfer sitzen, tausende sind bereits ausgebrochen oder wurden freigelassen. Es kursieren Enthauptungsvideos wie zu Hochzeiten des IS. Kobanê ist ringsum belagert. Hunderttausende bis zu einer halben Million Menschen sind dort eingeschlossen, wo es weder Wasser noch Strom und Internet gibt und Essen und Medikamente knapp werden. Eisige Temperaturen und starker Schneefall verschärfen die Lage zusätzlich. In Raqqa hissten Kämpfer eine IS-Fahne über dem Tor zur Stadt. Um Heseke wurden Gräber von Kämpfer*innen, die gegen den IS gekämpft hatten, geschändet. Und in Tabqa mussten sich Frauen verpflichtend verschleiern. Vereinbarte Waffenruhen haben die Regierungstruppen bereits mehrfach gebrochen.

In der Türkei machten sich tausende Menschen auf, um gemeinsam mit SDF, YPJ und YPG gegen die Besatzer*innen zu kämpfen. Der türkische Staat beantwortete das mit scharfen Schüssen. Bereits 2014 wurde die Grenze mehrfach gestürmt, um die Befreiungskämpfe zu unterstützen.

„Die Menschen in Rojava kämpfen und wir hier sind in Solidarität mit ihnen auf der Straße“, hieß es auf der Demo in Heidelberg. Reidebeiträge gab es von Hamseda Together, dem Mesopotamischen Kulturzentrum in Mannheim, der Landtagskandidatin Kim Sophie Bohnen von der Linkspartei, der Landtagsabgeordneten Ines Palm von der SPD, den Kurdischen Studierenden Heidelberg sowie eine Sprachbotschaft aus Rojava. Mit Parolen wie „Alle zusammen gegen Dschihadismus“ und „Bijî Berxwedana Rojava“ („Es lebe der Widerstand in Rojava“) und tausenden Fahnen zog die Demonstration von der Stadtbücherei durch die Altstadt, wo sie mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz ihren Abschluss fand. 

Die Bundesregierung wollte trotz der Angriffe den selbsternannten syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin begrüßen. Friedrich Merz sagte erst vor Kurzem, es gebe, seit die HTS an der Macht ist, „keinen Grund für Asyl mehr“, während diese Minderheiten, FLINTA*-Personen und queere Menschen massakriert. Seit Jahren unterstützt der deutsche Staat den rassistischen Kampf gegen Kurd*innen, indem er der Türkei beipflichtet und das Verbot der kurdischen Arbeiter*innenpartei PKK als Terrororganisation übernimmt. Auch die Demos in Solidarität mit Rojava wurden in zahlreichen deutschen Städten schon mit Repressionen überzogen, zum Beispiel wurden in Karlsruhe die Fahnen der YPJ und YPG verboten und deswegen mehrere Menschen verhaftet. In einigen Städten kam es außerdem zu islamistischen und faschistischen Angriffen auf Demos: In Hannover und Antwerpen wurden Demonstrant*innen mit Messern angegriffen und verletzt. Die Demo in Heidelberg wurde bei der Abschlusskundgebung mit Feuerwerk angegriffen. Dabei wurde glücklicherweise niemand verletzt. 

Wir werden weiter auf die Straße gehen, bis alle Besatzer*innen raus aus Rojava sind! Die große Demo in Heidelberg war dabei ein ermutigendes Zeichen der Solidarität! Die nächste Demonstration in Mannheim findet am Freitagabend, den 30. Januar 2026, statt und startet um 17 Uhr am Schloss. Außerdem findet am Sonntag, den 1. Februar 2026, im Mesopotamischen Kulturzentrum in Mannheim von 14 bis 18 Uhr eine Tagung zum Thema „Kurdische Transformation in einem schwierigen Umfeld – Demokratie in der Türkei und im Nahen Osten?“ statt. Bijî Berxwedana Rojava!

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