FN Kraichgau demo

Am 27. Mai haben die Nazis der „Freien Nationalisten Kraichgau“ über Facebook ihre Auflösung bekannt gegeben. Somit verschwindet eine weitere so genannte freie Kameradschaft von der Bildfläche.

In der Auflösungserklärung der Nazis auf Facebook hieß es:
Nach langem Hin und Her haben wir uns entschlossen unsere Arbeit von Grund auf umzustrukturiern.
Wir haben uns entschieden unsere Arbeit auf Partei Ebene weiter zu führen. Deshalb gründeten wir in Zusammenarbeit mit dem Landesverband von Die Rechte Baden Württemberg einen Kreisverband.
Ab dem heutigen Tage agieren wir als Kreisverband ‚Die Rechte Rhein Neckar‘.“ (alle Fehler im Original)

 

Aus „FN Kraichgau“ wird „Die Rechte“

Bereits am Tag zuvor (26. Juni) hatte sich ein Kreisverband der Nazi-Partei „Die Rechte“ im Kraichgau (bei Rauenberg) gegründet.
Am 3. Juni 2016 wurde das Facebook-Profil der „FB Kraichgau“ umbekannt in „Rechtes Forum Sinsheim“.

2011 tauchte zum ersten Mal der Name „Freie Nationalisten Kraichgau“ auf, nachdem verschiedene dort aktive Dorfnazis zunächst unter dem Label „Anti-Antifa Rhein-Neckar“ und „Freie Bewegung Section Baden“ (Gründung am 8. Mai 2010) firmiert hatten. Seither kooperierten die FN vor allem mit den regionalen NPD-Strukturen sowie der Skinhead-Gruppierung „Weisse Rebellion“. Einige FN-AktivistInnen waren gleichzeitig NPD-Mitglieder, übernahmen Posten in Parteistrukturen und halfen im Wahlkampf.

Die regionale NPD reagierte denn auch verstört, als sie auf einem so genannten politischen Stammtisch in Sinsheim von der Auflösung erfuhr: „In diesem ernsten Moment erreichte die Stammtischrunde die traurige Nachricht, dass die FN-Kraichgau via Facebook ihre Auflösung mitteilten. Ein Entschluss, der die Stimmung des Abends deutlich trübte. Der Kreisvorstand nutzte die Gelegenheit, um umgehend zu erklären, wie sehr man diesen Schritt der Kameraden, mit denen man so viel und so erfolgreich zusammen gearbeitet hat, bedauert.

Dieser Schritt hatte sich bereits vor Monaten angekündigt. Aufmerksame BeobachterInnen konnten feststellen, dass bereits im baden-württembergischen Landtagswahlkampf der NPD im Kraichgau die „üblichen Verdächtigen“ mit Abwesenheit glänzten. Jan Jaeschke, damaliger Kreisvorsitzender der NPD Rhein-Neckar, konnte in der „Stadt der Bewegung“ Sinsheim beim Plakatieren und Flyern nur auf wenige Helferlein zurückgreifen.

Am 19. März beim so genannten „Tag der Heimattreue“ in in Bruchsal, der als überparteilicher Aktionstag der „volks- und heimattreuen Kräfte“ stattfinden sollte, glänzten die FunktionärInnen der NPD mit Abwesenheit – allen voran NPD-Stadtrat Christian Hehl aus Mannheim, der als Redner angekündigt war und nicht erschien. Dabei sollte laut dem Willen der organisierenden Nazis doch „einzig die Verbundenheit und der Kampf um Heimat, Volk und Vaterland (…) an diesem Tag im Vordergrund [stehen]“. Zitat: „Parteibuch oder Zugehörigkeit zu Organisationen zählen an diesem Tag nicht.“ Die unterste Schublade der rechten Szene wurde in Bruchsal aufgemacht: den größten Teil der DemoteilnehmerInnen stellten Proll- und Saufnazis.

 

Was kommt nun?

Nun bleibt abzuwarten, ob die neue Gliederung der Partei „Die Rechte“ mehr Aktivitäten entfaltet als die „FN Kraichgau“. Mit einer jährlichen Kundgebung „gegen Kinderschänder“ sowie Saufgelagen und „Liederabenden“ hält sich die politische Wirkung der Kraichgauer Nazis jedenfalls stark in Grenzen.
Interessant ist auch, wie sich „Die Rechte“ in der Region gegenüber der NPD positionieren wird. Haben wir es hier erneut mit einem szeneinternen Zerwürfnis unter Nazis zu tun? Denkbar wäre es, haben sich Teile der „FN Kraichgau“ doch immer wieder offen zu NS-Größen (wie bspw. Horst Wessel oder Rudolf Heß) bekannt oder den Schulterschluss mit dem subkulturellen Teil der Szene – vor allem mit Skinhead-Gruppierungen wie der „Weissen Rebellion“, „Furchtlos und Treu“ oder den „Hammerskins“ – gesucht. Das kann ganz und gar nicht im Sinne der Schlips-und-Kragen-Fraktion der NPD sein, die einen auf „seriös“ macht.

 

Wir jedenfalls werden weiter genau hinschauen.

 

Nazi-Strukturen aufdecken und angreifen!

Keine Räume, keine Straße, keinen Fußbreit den Faschisten!