Wir über uns!
Grundlagen der Antifaschistischen Initiative Heidelberg

(Stand: Januar 2001)
linksradikal

In der Antifaschistischen Initiative Heidelberg arbeiten Menschen aus verschiedenen Strömungen der radikalen Linken politisch und kulturell zusammen: AnarchistInnen, KommunistInnen, SozialistInnen, Autonome, Feministinnen und solche, die sich überhaupt kein Label anheften lassen wollen.

Trotzdem verbinden uns grundlegende politische und ethische Anschauungen.

Das Eintreten für eine auf Solidarität und Gleichberechtigung basierende Gesellschaft und die Bekämpfung der Herrschaft des Menschen über den Menschen in ihren verschiedensten Ausprägungen eint uns.

Die Ablehnung der politischen Unterdrückung und sozialen Benachteiligung aufgrund rassistischer, biologistischer oder kultureller Einteilungen, der Ausbeutung und Unterprivilegierung von Frauen sowohl im wirtschaftlichen als auch im öffentlichen/privaten Bereich, der kapitalistischen Ausbeutung aller Lohnabhängigen, insbesondere der Menschen in der so genannten „Dritten Welt“, der fortgesetzten Zurichtung der Menschheit auf patriarchale Verhaltensmuster, der Ungleichbehandlung von Schwulen, Lesben, so genannten „Behinderten“ und anderen gesellschaftlich Marginalisierten und vor allem das Vorhaben, diese Zustände zu ändern – und zwar ab jetzt – verbindet uns mehr, als unsere Differenzen uns trennen.

Deshalb haben wir uns im April 1999 als politische Gruppe organisiert. Da wir unsere eigenen Interessen nicht an andere delegieren wollen und davon überzeugt sind, dass sich auf parlamentarischem Weg an den herrschenden Unterdrückungsverhältnissen nichts Grundlegendes ändern lässt, arbeiten wir parteiunabhängig und basisdemokratisch in der außerparlamentarischen Opposition.

antifaschistisch

Antifaschistisch zu kämpfen, heißt für uns, in den verschiedensten Bereichen mit den unterschiedlichsten Mitteln zu arbeiten.

Im Deutschland der 90er Jahre sind gewalttätige rassistische Angriffe zur Normalität geworden. In vielen Gegenden der BRD können sich „Nicht-Deutsche“ nicht mehr ohne Angst auf die Straße wagen. Mehr als 120 Tote haben rassistische Hetzjagden, Brandanschläge und ähnliche Übergriffe seit 1990 gefordert. Insofern ist es für uns eine Selbstverständlichkeit und eines unserer Hauptanliegen, die antifaschistische Selbsthilfe zu propagieren und zu organisieren. Der offensive Kampf gegen rassistische StraßenschlägerInnen und deren politische DrahtzieherInnen in faschistischen Parteien (wie NPD oder DVU) und die bedingungslose Solidarität mit ihren Opfern ist für uns keine Frage der politischen Wichtigkeit, sondern eine Notwendigkeit.

Militanz, die sich durch angemessene Zielgerichtetheit, permanente Selbstreflexion, konsequente Abwägung und hohes Verantwortungsbewusstsein der Agierenden auszeichnet, betrachten wir dabei als ein legitimes Mittel im Kampf um Befreiung.

Gleichzeitig sehen wir uns heute mit einem immer drastischer werdenden Rechtsruck in Staat, Parteien und großen Teilen der Gesellschaft konfrontiert. Rassistische, nationalistische, antisemitische und autoritäre Einstellungen verbreiten sich immer weiter bzw. werden wieder unverblümter geäußert. Mit dem vermeintlich vollzogenen Bruch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit wird der Aufstieg der BRD zur politischen und militärischen Hegemonialmacht innerhalb des imperialistischen Herrschaftskomplexes Europäische Union (EU) legitimiert. Gleichzeitig wird der Staat im Innern immer weiter aufgerüstet.

Folglich muss es unser Anliegen sein, rassistische, nationalistische, antisemitische und autoritäre Strukturen und Einstellungen zu entlarven und in möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen zu bekämpfen und zu überwinden.

Geschichte

Der autonome Antifaschismus der 1980er und 90er Jahre, der als Reaktion auf den zunehmenden rassistischen Terror entstanden ist, ist, bei allen Fehlern und Unzulänglichkeiten, unser direkter historischer Bezugspunkt und unsere politische Herkunft.

Vor allem der Wille, faschistischen Parteien und Banden nicht nur verbal, sondern auch auf der Straße, sei es mit Demonstrationen, Blockaden oder direkten Angriffen entgegenzutreten und somit die Parole „Kein Fußbreit den Faschisten“ in die Tat umzusetzen, unterscheidet den autonomen Antifaschismus vom bürgerlichen.

Als Teil der autonomen Bewegung war es allerdings auch immer ein Anliegen des autonomen Antifaschismus, strukturelle Unterdrückungsverhältnisse bereits im Hier und Jetzt zu überwinden und diesen Transformationsansatz in gesellschaftliche Praxis umzusetzen. Aus dieser Bewegung hervorgegangen, versuchen wir, diese positiven Elemente zu übernehmen, dabei aber auch aus offensichtlich gewordenen Fehlern zu lernen:

Mangelnde Bündnisfähigkeit, fehlende Organisierung, Hierarchisierung durch mangelnde Transparenz autonomer Strukturen sowie übermäßige Selbstbezogenheit sind dabei an erster Stelle zu nennen.

Zugleich sind wir Teil der Neuen Linken, die seit Ende der 60er Jahre mit vielen Dogmen und Fehlentwicklungen der ArbeiterInnenbewegung gebrochen und die Kontinuität zwischen nationalsozialistischem Staat und BRD auf ihre Tagesordnung gesetzt hat. Antiautoritarismus, außerparlamentarische Opposition, Feminismus und radikale Systemkritiken sind die wichtigsten Impulse der Neuen Linken, die sich in unseren Positionen widerspiegeln.

Angesichts der immer forcierter betriebenen Abwicklung der besonderen deutschen Vergangenheit, der Gleichsetzung des nationalsozialistischen Terrorsystems mit der Staatsform der sich selbst als „sozialistisch“ definierenden Regime und der sich daraus ergebenden Verharmlosung und „Normalisierung“ deutscher nationalsozialistischer Vergangenheit und restaurierter Nachkriegsgegenwart, betrachten wir es auch als unsere Aufgabe, die Erinnerung an die Verbrechen des singulären deutschen Faschismus wach zu halten, um insbesondere Jugendlichen zu verdeutlichen, wozu Antisemitismus, Rassismen, imperialistisches Großmachtstreben und Autoritätshörigkeit führen.

Gleichzeitig wollen wir die Erinnerung an diejenigen wach halten, die in Deutschland und in den von ihm besetzten Ländern im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben aufs Spiel setzten; unabhängig von ihrer politischen Anschauung oder Organisationszugehörigkeit.

organisiert

Der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit liegt in Heidelberg, der Rhein-Neckar-Region und in Südwestdeutschland.

Wir streben eine möglichst intensive Zusammenarbeit mit anderen linken und antifaschistischen Gruppen und Organisationen in der Rhein-Neckar-Region an. Unser Anspruch ist, AntifaschistInnen in „strukturschwachen“ Gebieten zu unterstützen.

Darüber hinaus betrachten wir aktive antifaschistische Jugendarbeit als unbedingt notwendig.

Um auch in Baden-Württemberg politische Relevanz zu erlangen und effektive antifaschistische Arbeit leisten zu können, deren Bedeutung über die hiesige Region hinausgeht, beteiligt sich die Antifaschistische Initiative Heidelberg, die an das legal angelegte Konzept der Autonomen Antifa Heidelberg seit Beginn der 90er Jahre anknüpft, am Antifaschistischen Aktionsbündnis Baden-Württemberg, in dem fast 20 Gruppen aus dem antifaschistischen Bereich organisiert sind.

Zudem halten wir den Austausch und die Zusammenarbeit mit antifaschistischen Gruppen im gesamten südwestdeutschen Raum immens wichtig für das Vorwärtskommen einer linksradikalen, antifaschistischen Bewegung.

Arbeitsfelder

Um linksradikale Forderungen als aktuelle Alternativen zum existierenden Herrschaftssystem wieder zu einem wahrnehmbaren Faktor werden lassen zu können, ist ein wichtiges Mittel unserer Politik die Öffentlichkeitsarbeit. Denn welcheR die gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse verändern will, die/der muss in den dabei herrschenden Diskursen präsent sein: jederzeit intervenierend und permanent konfrontierend!

Effektive Medienarbeit ist dabei notwendiges Mittel, um linksradikale, antifaschistische Positionen in die gesellschaftliche Diskussion zu transportieren. Aus diesem Grund scheuen wir den Kontakt mit den Medien nicht, wie dies in den 1980er Jahren bis in die frühen 1990er Jahren in der autonomen Bewegung oftmals die Regel war.

Daneben stufen wir kontinuierliche Bündnisarbeit als relativ erfolgreiches Politikfeld ein, auf dem sich linksradikale, antifaschistische Positionen in breite(re) gesellschaftliche Kreise tragen lassen und progressive Kräfte anlassbezogen und konkret gebündelt werden können.

Dabei erweisen sich nicht nur strömungsübergreifende Treffen mit anderen Gruppierungen oder Organisationen als zweckmäßig, sondern auch selbst organisierte politische, historische, kulturelle Informations- und Diskussionsveranstaltungen, die ein größeres Spektrum an interessierten Menschen ansprechen.

Perspektivisch geht es uns bei all diesen Bemühungen um die Überwindung der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Isolation der radikalen Linken und eine möglichst umfassende Eindämmung (neo-)faschistischer und reaktionärer Aktivitäten.

Gemeinsam den linksradikalen, antifaschistischen Widerstand organisieren!

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